Schweiß

NMZ-Cluster 2015/09

Es wird Herbst. Und mit ihm kommt die Triennale in den Pott. Ein riesiges Festival, das den Ruhrgebietsleuten zeigt, was es in der weiten Welt alles für dolle Kunst gibt. Manchmal machen sogar Einheimische mit – vorzugsweise Schafe und Schüler, aber immerhin! Beschworen wird die einmalige Atmosphäre der umfunktionierten Industriebauten, die noch nach dem Schweiß unserer Hände harter Arbeit riechen. Wir haben Schalke, Currywurst und das Herz auf dem rechten Fleck! Watt schön!

Liebe Düsseldorfer, liebe Intendanten, Journalisten und Leute von sonstwo – ihr müsst jetzt tapfer sein: Das ist alles nur eine Malocher-Simulation. Der Schweiß, den ihr da riecht, der ist von Designstudenten, Museumspädagogen oder Oboe da caccia-Virtuosen. Unter Tage arbeitet hier nämlich nur noch der Fischotter im Ruhrtal.

Brisante Räume für politische Kunst sehen doch bissken anders aus: Wer 2018 etwas Zeit hat und die Intendanz übernimmt, der könnte doch Stücke in stillgelegten Theatern der Region machen. Der kann zusammengestrichene Sparten reanimieren, den Kunstschaffenden Planungssicherheit für mehr als sechs Wochen geben, einen Soundwalk vom Gelsenkirchener Hauptbahnhof in Richtung Theater veranstalten und anschließend eine wilde Kanufahrt auf dem Baldeneysee. Bis derlei nicht geschieht, glaub ich euch fast nix. Gebt euch einen Ruck und sagt es doch wie es ist: In den mega Hallen kann man nun einmal mega Theater machen. Ist doch voll ok! Aber bitte verschont uns derweil mit Brennpunkt-Gebrabbel.

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